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Posts Tagged ‘Rassismus’

Nulli und Priesemut – Konversation mit dem Verlag

März 31, 2012 4 Kommentare

Vor ein paar Tagen schrieb ich über eine rassistische Illustration in einem Kinderbuch und wandte mich an den Verlag und den Autor. Daraus ergab sich folgende Konversation:

>>> Wenn Ihr meine Sichtweise teilt, schreibt bitte an Frau Breckoff (ihre mail findet Ihr unten), damit eine weitere Auflage des Buches gestoppt oder wenigstens geändert wird. <<<

Meine erste mail:

Gesendet: Mittwoch, 21. März 2012 12:56
An: sodtke@nulli-priesemut.de; info@lappan.de
Betreff:Alle Frösche fliegen hoch

Sehr geehrter Herr Sodtke, sehr geehrte Verlagsredaktion des Lappan-Verlages,

die Geschichten um den Hasen Nulli und den Frosch Priesemut waren bisher bei uns sehr beliebt. Mit der Lektüre des 4. Bandes der “Kleinen Reihe” mit dem Titel “Alle Frösche fliegen hoch” änderte sich das.
Grund dafür ist die folgende Illustration:

siehe vorheriger Artikel

Ich finde es unerträglich, dass in aktuellen Kinderbüchern eine solch rassistische Darstellung erscheinen darf. Sie basiert mit den wulstigen Lippen und dem Knochen im Haar auf den kolonialistisch rassistischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und entspricht einer Rassenideologie, die von alten und neuen Rechten vertreten wird.
Es macht mich wütend, dass ein Kinderbuchautor, der unter anderem für die TAZ gezeichnet hat, rassistische Stereotype verbreitet und Kindern Angst vor den/m Fremden macht. Eine reflektierte und reflektierende Herangehensweise an das Thema wäre angebracht.
Aus der Verantwortung für meine und andere Kinder heraus fordere ich Sie auf, den entsprechenden Band aus Ihrem Angebot zu entfernen bzw. die die entsprechenden Seiten zu redigieren.

Mit freundlichen Grüßen

Die Antwort:

Sehr geehrte…,

besten Dank für Ihre Nachricht, es freut uns, dass Ihnen die Geschichten von Nulli und Priesemut gefallen.

Die Anmerkung zu diesem Band hat uns zugegebenermaßen erstaunt. Mittlerweile gibt es in dieser Reihe ja 17 Bände – das von Ihnen erwähnte Buch gibt es mittlerweile seit 1996 im Handel, es wurde rund 30.000 Mal verkauft – und Sie sind tatsächlich der Erste, dem das in diesem Bild negativ aufgefallen ist.

Gerade in diesem Bild wird Afrika ja als „Paradies für Frösche“ dargestellt, daher haben wir es auch bei Lesungen nie erlebt, dass Kinder Angst davor hatten. Wenn Szenen aus anderen Ländern dazu anregen, sich mit dem Land weiter auseinanderzusetzen, damit gerade das Fremde dann nicht mehr fremd ist, dann wäre das natürlich schön – im Optimalfall setzen sich dann die Eltern mit den Kindern zusammen und erklären ihnen Geographie, Traditionen usw. dieses wunderbaren Kontinents. So sind auch die Rückmeldungen in zahlreichen Leserbriefen und bei Lesungen und Signierstunden von Matthias Sodtke.

In diesem Buch sind ja die Störche die eigentlichen „Übeltäter“ – und nicht einmal ihnen kann man es übel nehmen, weil Matthias Sodtke es versteht, den Kindern nahe zu bringen, dass Störche eben von Fröschen leben und dass das der Lauf der Natur ist. Und zugleich vermittelt er, dass man dem besten Freund mehr vertrauen sollte, als jemandem, den man nicht kennt (eben den Störchen), dieses Thema ist für Eltern ja sehr wichtig. Und genau darin liegt ja die Kunst des Autors, und das macht die Beliebtheit dieser Bände aus, und gerade weil in diesen Büchern auch schwierige Themen auf lustige Weise angesprochen werden, sind sie auch in pädagogischen Einrichtungen wie Kindergärten sehr beliebt. Dass man weder die Frösche noch die Hasen noch die anderen Tiere als realistisch ansehen sollte und eins zu eins auf Menschen projizieren sollte, ist selbstverständlich – sonst hätte man ja auch Kinder nehmen können.

Wir werden Ihre Anmerkung aber auf jeden Fall aufnehmen und noch einmal herumfragen, ob Ihre Sichtweise auch auf andere so wirkt – und da wir die Bände sehr häufig nachdrucken, wäre es auch kein Problem, diese Seite zu überarbeiten. Auch Matthias Sodtke ist ja daran gelegen, dass es bei seinem Büchern nicht zu Missverständnissen kommt.

Insofern danken wir Ihnen für den Hinweis!

Mit freundlichen Grüßen

Constanze Breckoff

__________________

Lektorat / Editor

Lappan Verlag GmbH

Würzburger Straße 14

26121 Oldenburg

Telefon 0441-98066-26

Telefax 0441-9806634

eMail: c.breckoff@lappan.de

www.lappan.de

Geschäftsführer: Klaus Kämpfe-Burkhardt und Dieter Schwalm

HR B 1612

Handelsregister Oldenburg

Meine Antwort:

Sehr geehrte Frau Breckoff,

vielen Dank für Ihre Antwort, es freut mich, dass Sie sich dem Thema Rassismus in Kinderbüchern zuwenden.

Leider erstaunen mich Ihre Ausführungen nicht. Dass die genannte Illustration nach 16 Jahren und 30000 verkauften Exemplaren des entsprechenden Buches zum ersten Mal von mir moniert wird, zeigt mir, in welch rassistischem Normalzustand sich unsere Gesellschaft immer noch befindet. Es erschreckt mich, dass das Buch 1996, knapp 5 Jahre nach den Pogromen von Hoyerswerda, Mölln, Rostock usw. mit dem angesprochenen Bild erschienen ist.

Ihre Anmerkung, Afrika würde in dem Buch als „Paradies für Frösche“ dargestellt,  entspricht dem kolonialistischen Blick auf diesen Kontinent. Interessanterweise gibt es in diesem „Paradies“ hauptsächlich grüne (weiße) Frösche. Lediglich eine  Minderheit von schwarzen Fröschen ist existent. Natürlich erzeugen solche Bilder keine Angst beim hauptsächlich weißen Kinderpublikum, aber sie stellen falsch dar und zeichnen eine Realität, die es nicht gibt. Es bleibt zu hoffen, dass Eltern diese Realitätsverschiebungen frühzeitig korrigieren.

Die Darstellung des Frosches mit dem Knochen im Haar löst keine Missverständnisse aus, sondern zeigt ein dem rassistischen Normalkonsens unserer Gesellschaft entsprechendes Bild eines Schwarzen in Afrika (in welchem Land auch immer).

Abschliessend möchte ich bemerken, dass ich Ihre Aussage „Dass man weder die Frösche noch die Hasen noch die anderen Tiere als realistisch ansehen sollte und eins zu eins auf Menschen projizieren sollte, ist selbstverständlich – sonst hätte man ja auch Kinder nehmen können.“ aus pädagogischer Sicht als absurd empfinde. Kinder identifizieren sich mit den Figuren in ihren Geschichten und diese werden real – egal ob es sich dabei um Hasen, Frösche oder irgendwelchen Fantasiegeschöpfe handelt. Das ist der Sinn und Zweck von Geschichten oder Märchen. Gesellschaftlich vereinbarte Verhaltenscodices werden Kindern durch Geschichten vermittelt. Hier tragen wir eine hohe Verantwortung für die Zukunft unseres Zusammenlebens.

Ich werde Ihre mail in meinem Bekanntenkreis veröffentlichen und die Menschen auffordern, Ihnen zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

 

Nulli und Priesemut – Rassismus im Kinderzimmer

März 21, 2012 3 Kommentare

Die Geschichten um den Hasen Nulli und den Frosch Priesemut von Matthias Sodtke greifen Alltagsprobleme auf und verarbeiten diese auf kindgerechte Weise. Bisher waren sie bei uns sehr beliebt.  Mit der Lektüre des 4. Bandes der „Kleinen Reihe“ änderte sich das.
Unter dem Titel „Alle Frösche fliegen hoooch!?“ sollen Kinder laut Klappentext lernen, „dass man dem besten Freund mehr vertrauen sollte als einem Fremden“.
Alles fängt ganz harmlos an. Nulli und Priesemut liegen an einem schönen Sommertag auf einer grünen Wiese und träumen vor sich hin. Plötzlich entdecken sie zwei „komische Vögel“. Wo die wohl hin wollen? Schnell wird beiden klar, dass die Fremden auf dem Weg zu ihrem Zuhause sind. Dort angekommen stellen der Hase und der Frosch schnell fest, dass die Störche, um die es sich bei den Fremden handelt, es sich schon auf dem Dach ihres Hauses bequem gemacht haben. Noch während sich die Störche als Herr und Frau Dr. Wenzel vorstellen, nisten sie sich auch schon mit einem aufblasbaren Nest so richtig ein. Als Gegenleistung wollen sie dem Frosch Priesemut das Fliegen beibringen, denn sie sind Doktoren der Flugologie.
Wurden die Fremden bisher „nur“ als sehr aufdringlich und besitzergreifend dargestellt, steigert sich die Bildergeschichte in ihrer fremdenfeindlichen und rassistischen Konnotation als die Aussage der Störche „In Afrika können alle Frösche fliegen!“ mit folgendender Illustration ergänzt wird:

(Quelle: Alle Frösche fliegen hoooch!? von M.Sodtke)

Abgesehen vom Fortlauf der Geschichte, in dem entlarvt wird, dass die Störche den Frosch eigentlich nur fressen wollten und die Fremden gewaltsam vertrieben werden müssen, ist es unerträglich, dass in aktuellen Kinderbüchern eine solch rassistische Darstellung erscheinen darf. Sie basiert mit den wulstigen Lippen und dem Knochen im Haar auf den kolonialistisch rassistischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und entspricht einer Rassenideologie, die von alten und neuen Rechten vertreten wird. Was denken sich Herr Sodtke und der Lappan-Verlag eigentlich?
Es macht mich wütend, dass ein Kinderbuchautor, der unter anderem für die TAZ gezeichnet hat, rassistische Stereotype verbreitet und Kindern Angst vor den/m Fremden macht. Eine reflektierte und reflektierende Herangehensweise an das Thema wäre angebracht.
Nulli und Priesemut kommen uns jedenfalls nicht mehr ins Kinderzimmer!

Euren Unmut und die Aufforderung, den oben genannten Titel aus dem Programm zu nehmen könnt ihr hier:  sodtke@nulli-priesemut.de (mail des Autors) und hier:  info@lappan.de (mail des Lappan-Verlages) loswerden.

Tipp für in Berlin Wohnende

Neulich hab ich dieses Plakat auf der Straße entdeckt. Vielleicht hat ja die Eine oder der Andere Lust, da hinzukommen und mensch sieht sich im Fidél (Pfarrstr. 121) am Sonntag, 28.05.2011 um 20:15 Uhr. 😉

„Schwerelos“
(No Gravity)
Dokumentarischer Essay, Deutschland 2011
Buch und Regie: Silvia Casalino
Kamera: Siri Klug
Schnitt: Elfe Brandenburger
Musik: Kelli Rudick
Ton: Johanna Herr
Mischung: Martin Ehlers-Falkenberg
Produzenten: Inka Dewitz, Michael Bogar
Produktion: Perfect Shot Films im Auftrag von ZDF/Das kleine Fernsehspiel
Redaktion: Burkhard Althoff
Länge: 60 Min.

Weltraumtechnikerin Silvia Casalino träumt davon ins All zu fliegen. Sie unternimmt eine ungewöhnliche filmische Reise zu den Heldinnen der weiblichen Raumfahrt und der Cyborg-Kultur und ihr Traum wird wahr. Ein persönlicher Film, der gleichzeitig von der Geschichte der Frauen im All und vom Verhältnis von Gender und Technologie erzählt.
Seit ihrer frühen Kindheit träumt Silvia Casalino davon Astronautin zu werden. Sie studiert Weltraumtechnik und beginnt für die französische Weltraumagentur CNES zu arbeiten. Sie ist überzeugt, die technologische Welt mit ihren subkulturellen und queer-feministischen Interessen beeinflussen zu können.
Aber dann muss sie feststellen, dass sie sich nach und nach in den Prototypen eines perfekten, leistungsfähigen und straighten Wissenschaftlers verwandelt, der vorgibt männlich zu sein. Als dann auch noch ihre Bewerbung für das von der European Space Agency ausgeschriebene Astronauten-Trainings-Programm abgelehnt wird, beginnt sie eine Forschungsreise zu den Ikonen weiblicher Raumfahrt und in die Cyborg-Kultur.
Die feministische Philosophin Donna Haraway wird zur Mentorin und Wegweiserin dieser Reise. Durch die von Haraway entworfene Figur des Cyborgs beginnt Silvia Casalino zu verstehen, warum es nur so wenige Frauen ins Weltall geschafft haben. Casalinos Recherchen führen sie zu Françoise Bories, die als erste Raumfahrttechnikerin in Französisch Guyana auf der Weltraumstation Kourou arbeitete.
Sie trifft Gene Nora Jessen, die in den 1960er Jahren zu den „Mercury 13“ gehörte, 13 Frauen, die in einem inoffiziellen Forschungsprogramm auf den Flug zum Mond vorbereitet wurden, den dann aber nur Männer antraten. In Moskau besucht sie Dr. Adilia Kotovskaya, die 1963 die erste Frau im All, Valentina Tereshkova, medizinisch betreute. Sie begegnet Claudie Haigneré, die als bisher einzige europäische Astronautin von den Glücksgefühlen im Weltraum erzählt und trainiert mit der Astronautin Samantha Cristoforetti, die in drei bis fünf Jahren ins All starten soll, bei der European Space Agency in Köln.
Mae Carol Jemison schließlich, die erste afro-amerikanische Frau, die an einer Weltraummission teilnahm, berichtet von rassistischen Vorurteilen bei der Auswahl von Astronauten und der Bedeutung, die die amerikanische TV-Serie „Star-Trek“ für sie hatte und wie diese ihr half, für sich eine Brücke zwischen Realität und Fiktion zu schlagen. Und auch Silvia Casalinos Traum wird letztendlich wahr. Sie fliegt mit einem fiktionalen Raumschiff und der Hoffnung ins All, dass der erste Fußabdruck auf dem Mars der einer Frau sein wird.

Silvia Casalino wurde 1971 in Savigliano, Italien, geboren und arbeitet als Weltraumtechnikerin für die französische Weltraumagentur CNES in Paris. Nebenher kuratierte sie für Filmfestivals, arbeitete als DJ und Regieassistentin. Während eines Stipendienaufenthalts beim Institute for Cultural Inquiry in Berlin entwickelte sie die Idee zu „Schwerelos“ und bewarb sich damit bei der Online-Ausschreibung „Bodybits“ des Kleinen Fernsehspiels. „Schwerelos“ ist ihre erste eigene Regiearbeit.
Quelle + Trailer

Weltoffenes Berlin

Nicht genug, dass sich die Haupstadt der Bundesrepublik Deutschland  zur Fussballweltmeisterschaft schon halb in die weltoffenen Farben schwarz, rot, gold gewandet hat, auch kulinarisch gibt sich Berlin kosmopolitisch.

So hat zum Beispiel die Konditorei Kühne in ihrem kleinen Café in der Mehrower Allee 28 in 12687 Berlin – Marzahn-Hellersdorf / Marzahn in Verbeugung zum gastgebenden Land Südafrika eine traditionelle Leckerei wieder auf die Karte gesetzt.

Wer Plätze reservieren möchte oder der Konditorei ein paar passende Worte zu ihrem Menü sagen möchte, kann dies unter (0 30) 99 27 22 06 gerne tun.

P.S.:  Rassisten sind Arschlöcher – überall!

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Keine Angst Vor Schwarz

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