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Posts Tagged ‘Queer’

Neulich in der Kita

April 9, 2012 2 Kommentare

Neulich fuhren Sohn und ich mal wieder mit dem Fahrrad zur Kita.
Sohn hatte zum 5.Geburtstag ein neues Rad bekommen und trug, wie immer, seinen Helm:

In der Kita angekommen, fragte beim Ausziehen ein Mädchen: “ Warum hat I… einen Mädchenhelm auf?“
Ich antwortete: „Wer sagt denn, dass das ein Mädchenhelm ist?“
Das Mädchen: „ähhh… meine Mama … ähhh… Rosa und Braun sind Mädchenfarben!“
Sohn: „Stimmt ja gar nicht! Mädchen tragen ja auch Blau! Dann können Jungs auch Rosa tragen! Mädchen- und Jungenfarben gibt es gar nicht!“
Ich: 🙂

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Tipp für in Berlin Wohnende

Neulich hab ich dieses Plakat auf der Straße entdeckt. Vielleicht hat ja die Eine oder der Andere Lust, da hinzukommen und mensch sieht sich im Fidél (Pfarrstr. 121) am Sonntag, 28.05.2011 um 20:15 Uhr. 😉

„Schwerelos“
(No Gravity)
Dokumentarischer Essay, Deutschland 2011
Buch und Regie: Silvia Casalino
Kamera: Siri Klug
Schnitt: Elfe Brandenburger
Musik: Kelli Rudick
Ton: Johanna Herr
Mischung: Martin Ehlers-Falkenberg
Produzenten: Inka Dewitz, Michael Bogar
Produktion: Perfect Shot Films im Auftrag von ZDF/Das kleine Fernsehspiel
Redaktion: Burkhard Althoff
Länge: 60 Min.

Weltraumtechnikerin Silvia Casalino träumt davon ins All zu fliegen. Sie unternimmt eine ungewöhnliche filmische Reise zu den Heldinnen der weiblichen Raumfahrt und der Cyborg-Kultur und ihr Traum wird wahr. Ein persönlicher Film, der gleichzeitig von der Geschichte der Frauen im All und vom Verhältnis von Gender und Technologie erzählt.
Seit ihrer frühen Kindheit träumt Silvia Casalino davon Astronautin zu werden. Sie studiert Weltraumtechnik und beginnt für die französische Weltraumagentur CNES zu arbeiten. Sie ist überzeugt, die technologische Welt mit ihren subkulturellen und queer-feministischen Interessen beeinflussen zu können.
Aber dann muss sie feststellen, dass sie sich nach und nach in den Prototypen eines perfekten, leistungsfähigen und straighten Wissenschaftlers verwandelt, der vorgibt männlich zu sein. Als dann auch noch ihre Bewerbung für das von der European Space Agency ausgeschriebene Astronauten-Trainings-Programm abgelehnt wird, beginnt sie eine Forschungsreise zu den Ikonen weiblicher Raumfahrt und in die Cyborg-Kultur.
Die feministische Philosophin Donna Haraway wird zur Mentorin und Wegweiserin dieser Reise. Durch die von Haraway entworfene Figur des Cyborgs beginnt Silvia Casalino zu verstehen, warum es nur so wenige Frauen ins Weltall geschafft haben. Casalinos Recherchen führen sie zu Françoise Bories, die als erste Raumfahrttechnikerin in Französisch Guyana auf der Weltraumstation Kourou arbeitete.
Sie trifft Gene Nora Jessen, die in den 1960er Jahren zu den „Mercury 13“ gehörte, 13 Frauen, die in einem inoffiziellen Forschungsprogramm auf den Flug zum Mond vorbereitet wurden, den dann aber nur Männer antraten. In Moskau besucht sie Dr. Adilia Kotovskaya, die 1963 die erste Frau im All, Valentina Tereshkova, medizinisch betreute. Sie begegnet Claudie Haigneré, die als bisher einzige europäische Astronautin von den Glücksgefühlen im Weltraum erzählt und trainiert mit der Astronautin Samantha Cristoforetti, die in drei bis fünf Jahren ins All starten soll, bei der European Space Agency in Köln.
Mae Carol Jemison schließlich, die erste afro-amerikanische Frau, die an einer Weltraummission teilnahm, berichtet von rassistischen Vorurteilen bei der Auswahl von Astronauten und der Bedeutung, die die amerikanische TV-Serie „Star-Trek“ für sie hatte und wie diese ihr half, für sich eine Brücke zwischen Realität und Fiktion zu schlagen. Und auch Silvia Casalinos Traum wird letztendlich wahr. Sie fliegt mit einem fiktionalen Raumschiff und der Hoffnung ins All, dass der erste Fußabdruck auf dem Mars der einer Frau sein wird.

Silvia Casalino wurde 1971 in Savigliano, Italien, geboren und arbeitet als Weltraumtechnikerin für die französische Weltraumagentur CNES in Paris. Nebenher kuratierte sie für Filmfestivals, arbeitete als DJ und Regieassistentin. Während eines Stipendienaufenthalts beim Institute for Cultural Inquiry in Berlin entwickelte sie die Idee zu „Schwerelos“ und bewarb sich damit bei der Online-Ausschreibung „Bodybits“ des Kleinen Fernsehspiels. „Schwerelos“ ist ihre erste eigene Regiearbeit.
Quelle + Trailer

Nichts zu verlieren

Vor ein paar Monaten las ich im Missy-Gastblog von Medienelite aka Lantzschi folgende Zeilen:

So kam ich nämlich zu einer Erklärung, warum es mir nicht möglich ist, einen universellen queeren Standpunkt einzunehmen. Ich denke selten queer. Queers sind mir zu frei, zu selbstbestimmt, zu offen, zu wenig identitär. Das ist keine Kritik an queeren Interventionen, sondern an mir selbst. Ich will einfach nicht so sein. Ich habe Angst davor, Angst ohne meine gewohnten Pfeiler auskommen zu müssen, Angst mich überfordert zu fühlen, wo mich doch jetzt schon feministische oder gendersensible Denke überfordert, weil ich damit immer wieder auf neue Problemfelder stoße.

Insofern kann ich nachvollziehen, warum es Menschen gibt, die an naturalisierten und essenzialistischen Welterklärungen festhalten, weil auch ich dies tue – nur irgendwie mit einer anderen Perspektive. Ich stehe an einem anderen Grundpfeiler ein paar Meter weiter links oder rechts, vorn, hinten, oben, unten, egal.

Grundpfeiler sollten also nicht auf Teufel komm raus eingerissen, sondern beständig vervielfältigt werden. So bleiben am Ende für alle genug Pfeiler übrig, um ihre Parzelle ganz unabhängig und frei mit Leben zu füllen, Macht über das eigene Handeln zu bekommen. Denn ohnmächtig will sich niemand fühlen.

Spontan musste ich an ein Lied denken, welches mir immer wieder Gänsehaut macht. Die Textzeilen „Wir haben nichts zu verlieren ausser unsere Angst/Es ist unsere Zukunft, unser Land./Gib mir deine Liebe, gib mir deine Hand.“  beschreiben ziemlich genau meine Reaktion auf die Worte von Lantzschi.

Ich kenne die Angst, Grundpfeiler einzureissen, die uns scheinbar Sicherheit geben. Genau diese Pfeiler aber stehen einer Begegnung von Mensch zu Mensch im Weg und nur in dieser Begegnung steckt die Hoffnung auf wahre Freiheit. Versuchen wir also täglich, diese Angst abzustreifen und uns die Hände zu reichen. Dann wird es keine Macht geben, die unser Handeln bestimmt.

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Sei Quing

Ich bin gerade bei Mädchenmannschaft über das Interview mit Sookee gestolpert – danke dafür – hier ein kleiner Auszug daraus, der erklärt, was es mit Quing auf sich hat:

Auf deinem gerade erschienenen Album “Quing” rappst du, dass du “Quing” für dich als Perspektive entdeckt hast. Was ist das eigentlich und wieso kann jede_r ein wenig “Quing” in seinem oder ihrem Leben brauchen?

Ob andere Menschen Quing brauchen oder nicht, kann ich nicht entscheiden, aber Quing ist als emanzipatorische Denkrichtung und subkulturell-politische Position ein Angebot an alle, die sich darin wiederfinden. HipHop beispielsweise ist durchzogen von merkwürdigen und wirkmächtigen Geschlechterbildern, die eng mit der Glorifizierung von neoliberalen Selbstinszenierungen verbunden sind. Mir erschien das immer unangemessen und verkürzt und ich hatte dringend das Bedürfnis mir im HipHop einen Raum zu schaffen, in dem ich über mich selbst verfügen kann, ohne bestehenden Vorgaben etwa über Weiblichkeitskonstruktionen nachzuhängen. Quing ist also sowas wie ein Attribut, eine Perspektive oder ein Artikulationsmodus, der es ermöglicht, sich in kulturellen und sozialen Räumen zu bewegen, ohne dabei die eigene Kritik aufzugeben oder sich aufgrund von Fremdzuschreibungen einengen zu lassen.

Bei myspace sind ein paar Tracks ihres neuen Albums zu hören. Unter anderem ProHomo , eine Kampfansage gegen homphoben Rap. Sookee ist übrigens auf dem Transgenialen CSD zu hören – am Herrmannplatz ab 14.00 Uhr (laut ihrer Site). Ich freu mich drauf – endlich mal wieder guter Rap mit intelligenten Texten!

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Wer lebt mit wem, warum und wie?

Vom 25.7. – 1.8. 2010 findet auf der Burg Lutter ein Sommercamp statt.

Herrschaftskritisches Sommercamp zum Thema Solidarität und Verantwortung – Familie und (Anti)Kapitalismus – Elternschaft und Szene – Dekonstruktion der bürgerlichen heteronormativen Kleinfamilie – Aufstand – Abschaffung von Erziehung – sozialrevolutionäre/anarchistische Umwälzung

Uns ist es wichtig, die Themen „Kind“, Zusammenleben und persönliche Verantwortlichkeiten explizit aus dem privaten Raum zu holen und aus einer herrschaftskritischen Perspektive zu betrachten. Auch wenn wir beeinflusst und bestimmt sind von den Zuständen, können wir dazu beitragen sie zu ändern. Mit dem Thema „Kind“ werden oft Begriffe wie „Kleinfamilie“, „privates Glück“, „Abkapselung“ und konservative Werte verbunden. Durch gesellschaftliche Normen wird in engen Schubladen darüber gedacht, wie „Kind“, „Vater“, „Mutter“… sind und zu funktionieren haben.

Denn wirklich wird sich nur was ändern, wenn sich alles ändert…

Welche strukturellen Zwänge ergeben sich aus Patriarchat, Kapitalismus und ihren staatlichen Institutionen und wie können wir diese überwinden? Wo sehen wir Wege aus dem Desaster der Zwangsgesellschaft samt Knästen und dem Prinzip Strafe? Die Wut auf die bestehenden Verhältnisse braucht ihren Ausdruck. Rebellion, Revolten und Aufstände, verbunden mit der Chance auf gesamtgesellschaftliche Veränderungen, haben soziale Gründe. Diese wollen wir verstehen, wir sind Teil davon, (auch) in unserem Alltag. In der Szene sind wir auch nicht frei von Diskriminierungsmechanismen. Unser Ziel ist eine politische Bewegung, die grundsätzlich offen ist für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Bildung, „Behinderungen“, usw. Wie können wir uns im Alltag organisieren, z.B. in WG’s, auf Plena, bei Aktionen usw., damit junge Menschen und ihre Bezugspersonen selbstverständlicher teilhaben können?

Das Private ist politisch, der Aufstand (auch) alltäglich!

Wie kann das ganz konkret aussehen? Wie können wir aus einem solidarischen Grundverständnis heraus gemeinsam Verantwortung füreinander übernehmen? Was ist ein geeigneter Rahmen, um Alternativen zur herrschenden Ordnung zu schaffen und wie können wir den (täglichen) Aufstand organisieren?

Wir wollen die Umstände angreifen und gleichzeitig Räume schaffen, wo ein bewusster und sensibler Umgang mit Privilegien stattfindet. Nur so können wir Rassismen und andere Formen von Diskriminierung erkennen und an ihrer Abschaffung arbeiten. Es ist uns wichtig Geschlechterrollen aufzulösen, indem wir Wege abseits von Heteronormativität und Paarbeziehung gehen und einen gendersensiblen Umgang finden. Auch die Auseinandersetzung mit den Machtstrukturen der „Erwachsenen“ gegenüber den „Kindern“ ist notwendig, um sich auf gleicher Augenhöhe begegnen zu können. Aufgrund dieser Zwänge wollen wir die Diskussion um Antipädagogik und freier Bildung aufgreifen.

Los gehts!

Wir wünschen uns spannende Diskussionen, Theorie und Praxis, eine Menge Kontakte und neue Netzwerke. Einige Themen sind schon in Vorbereitung, aber das Camp lebt durch euch und eure Ideen, die ihr einbringt, vorher und während des Camps: anhand von Workshops, Diskussionsvorschlägen oder der täglichen Camporganisation. Wir sind gespannt auf euren Input und freuen uns auf euch.

Alles weitere könnt Ihr hier erfahren.

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Über die Schwierigkeiten einer Regenbogenfamilie

Die Berliner Zeitung fällt mir diese Woche schon zum zweiten Male positiv auf.

Im Magazin der Wochenendbeilage schreibt Silke Janovsky über ein lesbisches Paar und den alltäglichen „normalen“ Wahnsinn, mit zwei Kindern eine Regenbogenfamilie zu gründen und  zu leben.

Leider sind solche Artikel immer noch notwendig, um die öffentliche Meinung zu bilden, damit gleichgeschlechtliche Paare und/oder Eltern endlich nicht mehr als aussergewöhnlich wahrgenommen werden.

Hier ein Auszug aus dem Artikel:

Schon wieder einer dieser Momente, in denen Renate und Birgit Scholz* die Welt nicht verstehen. Und die Welt sie nicht. Vor ihnen sitzt eine Frau mit knielangem Strickpulli und engen Lederhosen und redet über das Stadtgut Blankenfelde. Das alternative Wohnprojekt im Norden Berlins sucht neue Mitbewohner, gerne Familien. In das kleine Büro drängen sich Paare, die nicht mehr in der Stadt leben möchten, genau wie Renate und Birgit Scholz.

Die Fenster laufen an, während die Frau vom Gutshof ihnen die Prinzipien des Projekts erklärt: Vielfalt, Gemeinschaft, Toleranz, all das. Auf sechzigtausend Quadratmetern hat vieles Platz. Die Frau hat die Beine übereinander geschlagen, ihre aufgeschürften, klobigen Stiefel sind mit Klebeband umwickelt. Wer will, kann sich in eine Liste eintragen.

„Sie sind also Schwestern?“, fragt sie und blickt über den Rand ihrer Lesebrille zu den zwei Frauen mit den beiden Kindern auf dem Schoß. Renate Scholz schießt das Blut in den Kopf, aus Birgit Scholz‘ Gesicht weicht das Bewerberlächeln. „Wir sind ein Paar“, antwortet sie knapp.

Die Frau vom Stadtgut versteht nicht. Warum sie denselben Nachnamen tragen, will sie wissen.

„Wir sind ver-hei-ra-tet. Das sind unsere Söhne Jukka und Arthur. Wir sind eine Familie.“

Ach so. Ah ja. Na klar. Die Frau winkt ab, ist ja alles kein Problem, sagt sie, ihr Sohn sei ja auch schwul, der koche hier immer. Es macht die Situation nicht besser.

Der ganze Beitrag hier.

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Australier/in muss doch Mann oder Frau sein

Leider gab es heute folgende Meldung aus Australien:

Ein paar Tage dauerte das Glück von Norrie May-Welby an: Er/sie lebte in Australien offiziell anerkannt als Mensch “ohne bestimmtes Geschlecht”. Doch nun hat das zuständige Standesamt seine Meinung geändert.Sydney – Norrie May-Welby war als Junge geboren worden und hatte sich 1983 einer Operation zur Geschlechtsumwandlung unterzogen, wollte dann aber trotzdem weder eindeutig als Mann noch als Frau leben.

Einige Tage hat May-Welby tatsächlich als er/sie gelebt: Das Standesamt von New South Wales hatte ein geburtsurkundenähnliches Dokument ausgestellt, auf dem in der Rubrik männlich/weiblich “ohne bestimmtes Geschlecht” eingetragen war. Die Beamten ließen sich darauf ein, nachdem Ärzte bezeugt hatten, dass das Geschlecht nicht eindeutig festzustellen sei.

Nun erklärte das Standesamt das ausgestellte Dokument jedoch wieder für ungültig. Nach einer neuen Rechtsauskunft könne das Papier nur ausgestellt werden, wenn das Ergebnis einer Geschlechtsumwandlung eindeutig sei. Somit verliere das Dokument von May-Welby seine Gültigkeit.

“Ich fühle mich wie gesellschaftlich gemeuchelt”, sagte May-Welby am Donnerstag und kündigte an, weiterzukämpfen, um offiziell als geschlechtslos anerkannt zu werden.

Quelle via Mädchenmannschaft

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