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Jetzt gehts los – Hebammenpetition

Wie hier schon erwähnt startet heute die Petition der Hebammen. Via Mädchenmannschaft ist ein Button von HAIGE dafür verfügbar, den Ihr hier auch rechts sehen könnt. Einfach drauf klicken und mitzeichnen!

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Petition der Hebammen

April 27, 2010 2 Kommentare

Wie schon Genderblog und Mädchenmannschaft berichteten, soll sich ab dem 1.7. 2010 die Berufhaftpflicht für Hebammen fast verdoppeln. Dies würde faktisch zur Abschaffung der Geburtshilfe durch freiberufliche Hebammen führen und etliche Geburtshäuser stünden vor dem Aus.

Dagegen ruft der Deutsche Hebammenverband zum Protest und zur Unterzeichnung einer E-Petition an den Deutschen Bundestag auf.

Die Petion wird am 5. Mai, dem Internationalen Hebammentag, durch diverse Kungebungen in verschiedenen Städten begleitet starten. Wie Ihr Euch an der Petition beteiligen könnt, erfahrt Ihr hier.

Hier der Text der Petition:

Der Bundestag möge Sofortmaßnahmen beschließen, um eine wohnortnahe Versorgung von Frauen mit Hebammenhilfe und die freie Wahl des Geburtsortes auch nach dem 1. 7. 2010 sicher zu stellen. Gefordert wird auch die Aufnahme eines Sicherstellungsauftrages für Hebammenhilfe analog § 72 SGB V. Des Weiteren möge der Bundestag eine Datenerhebung zum Bedarf an Hebammenhilfe und deren Deckung beschließen.

Begründung:

Steigende Haftpflichtprämien u. unzureichende Vergütung zwingen Hebammen zum Aufgeben der Geburtshilfe. Dadurch kann die flächendeckende Versorgung nicht mehr sichergestellt werden.

Nach der Einführung u.a. des § 116 SGB X sind die Krankenkassen dazu übergegangen Regressabtei-lungen zu beschäftigen. Sie sollen bei teuren Behandlungsfällen gezielt dafür sorgen, die zu erwar-tenden Kosten der Sozialversicherungsträger gegen zu finanzieren.

1992 waren freiberufliche Hebammen zu einer Jahresprämie von umgerechnet 179 €, incl. Geburtshilfe, versichert. Durch Verzehnfachung der Prämie (2370 €) bis 2009 sank der Anteil der Hebammen, die neben Schwangerenvorsorge u. der Betreuung im Wochenbett auch Geburtshilfe anbieten, auf 23%. Mit der Steigerung der Haftpflichtprämie für das Berufsrisiko Geburtshilfe auf 3689 € ab 1.7.2010 ist absehbar, dass sich die verbleibenden Hebammen aus dem Kernbereich ihres Berufes zurückziehen.

Das Problem betrifft freiberufliche u. angestellte Hebammen. Auch Angestellte müssen aus ihrem Gehalt eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen, weil Klinikträger zu niedrige Deckungssummen versichern. Durch Personalabbau steigt das Haftungsrisiko, weil Hebammen mehrere Geburten gleichzeitig betreuen müssen.

Die Entlassung der Hebammen in die eigenverantwortliche Vergütungsverhandlung mit den Kranken-kassen in 2006 erfolgte mit einem Rückstand in der Anpassung der Honorare. Die gleichzeitige Vorgabe aus § 71 SGB V (Beitragsstabilitätsgesetz), vergrößert diesen Rückstand.
Die Ausnahmeregelungen nach § 71 SGB V (Abs. 1-2) greifen nicht, da keine Daten vorliegen u. kein Sicherstellungsauftrag zur Durchsetzung des Rechtes auf Hebammenhilfe nach § 196 RVO besteht. Durchschnittlich erzielt eine freiberufliche Hebamme 23.300 € Umsatz im Jahr. Das real zu versteuernde Einkommen liegt im Schnitt bei 14.150 € im Jahr, bzw. 7,50 € Netto pro Stunde. Für die Durchführung einer Geburt erhält die Hebamme ein Bruttohonorar von:

  • 224,40 € für die Beleggeburt
  • 367,20 € für die Geburt im Geburtshaus
  • 448,80 € für die Hausgeburt

Als Ausgleich für gestiegene Haftpflichtprämien wurden von den Kassen 4,39 € für Beleggeburten u. 14,19 € für außerklinische Geburten geboten. Die Gesamtsumme der Gebühren für Geburtshilfe wird ab dem 1.7.2010 ausschließlich die Haftpflichtprämien decken – ohne dass ein Verdienst für die Hebamme übrig bleibt!

Die Zentralisierung der Geburtshilfe in perinatologischen Zentren benötigt ein Gegengewicht von wohnortnaher Versorgung für gesunde Schwangere u. eine intensive Weiterbetreuung nach der heute üblichen Frühentlassung. Doch immer mehr kleinere Krankenhäuser sind gezwungen ihre ge-burtshilflichen Abteilungen zu schließen, weil weder Beleghebammen noch – Ärzte ihre Prämien zahlen können.

Die Politik wird deshalb aufgefordert Abhilfe zu schaffen. Wenn die Bundesregierung ihrer Verpflichtung nachkommen will eine flächendeckende Versorgung zu garantieren, sind Sofortmaßnahmen zu er-greifen.

Eine (unvollständige) Liste der Kungebungen:

Berlin 15.30 Uhr Augustenburger Platz/ Charité

Hamburg 14-17 Uhr Bahnhof Altona, Ottenser Hauptstr. 1

Köln 11-13 Uhr Roncalliplatz (Domplatte, neben HBF)

Merseburg http://www.hebammen-sachsen-anhalt.com

München 11:30-13 Uhr Odeonsplatz

Stuttgart 10:30-12:30 Uhr Marktplatz

Auch auf Facebook hat sich eine Unterstützer_innen-Gruppe gebildet und auf der Seite sind auch weitere Informationen zu finden.

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Hermaphroditen – Eindeutig Zweideutig

März 16, 2010 1 Kommentar

Da diese Meldung auch bei Mädchenmannschaft Thema ist, empfehle ich weiterführend zu der Diskussion die sehr gute Dokumentation von Ilka Franzmann, die ich vor einiger Zeit gesehen habe. Der Ankündigungstext spricht für sich:

Hermaphroditen – Eindeutig Zweideutig
Dokumentation von Ilka Franzmann, Deutschland 2002, Deutsche und französische Erstausstrahlung

Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“ Meistens ist das die erste Frage nach der Geburt. Und niemand erwartet die Antwort: „Das kann man so nicht sagen.“ Tatsächlich kommt auf 2000 Neugeborene ein Kind mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen – ein intersexuelles Kind.
Meist werden direkt nach der Geburt die Genitale mit dem Skalpell optisch korrigiert, der zweigeschlechtlichen Norm angepasst. Die Betroffenen haben also selbst keinen Einfluss in dieser existentiellen Frage, ob sie Junge oder Mädchen werden oder „dazwischen“ leben möchten. Die meisten Hermaphroditen, deren Geschlecht nach der Geburt genormt wurde, kämpfen ein Leben lang damit, sich mit dem einmal zugewiesenen Geschlecht zu identifizieren.

Zum Beispiel Jürgen/Claudia: Bei einer geplanten Kieferoperation im Alter von 19 Jahren stellte sich heraus, dass Jürgen einen weiblichen Gesichtsmittelteil hatte, während sein übriger Schädelbau männlich war. Deshalb wuchs sein Kiefer nicht zusammen.
Erst jetzt klärt man ihn auf: Er ist ein sogenannter echter Hermaphrodit, ein Mensch, der ursprünglich mit den kompletten Anlagen beider Geschlechter zur Welt gekommen ist. Plötzlich macht für ihn alles einen Sinn: die vielen Krankenhausaufenthalte und Operationen in seiner Kindheit, die dauerhaften Unterleibsschmerzen, seine sexuellen Erregungsstörungen im Jugendalter. Jürgens mühsame Nachforschungen ergeben, dass die Ärzte – auf Wunsch der Eltern – sein Geschlecht nach seiner Geburt auf männlich festsetzten und alle weiblichen Anlagen entfernten. Heute, mit 44, lebt Jürgen als Claudia, doch seine Identität hat Jürgen/Claudia auch damit nicht gefunden: „Mein Körper ist mir so fremd wie früher auch. Ich bin ein Hermaphrodit, doch diesen Urzustand kann mir niemand zurückgeben.“

„Lasst uns aufwachsen, wie wir zur Welt kommen“ fordern mit Claudia viele Intersexuelle in Deutschland und anderswo. Ihr Ziel: Keine Genitalkorrekturen an Kindern. Doch der gesellschaftliche Druck ist enorm. Neben den Hermaphroditen Claudia, Anna und Julian sowie Nadine und Roger Klingauf, Eltern eines intersexuellen Kindes, kommen die Endokrinologin Prof. Dr. Annette Grüters zu Wort, die die Methoden erläutert, nach denen Körper männlich oder weiblich normiert werden. Auch die führende französische Chirurgin Prof. Dr. Claire Nihoul Fékété, die Genitalkorrekturen an Kindern befürwortet und vornimmt, erklärt den Grenzgang zwischen den beiden Geschlechtern.

arte

Der Film war Teil eines Themenabends auf arte. Wer ihn in voller Länge sehen möchte, muss sich wohl an den Sender wenden. Ausschnitte gibt es hier.

Bewertung: ***** (absolut sehenswert)