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Posts Tagged ‘Kinder’

Neulich in der Kita

April 9, 2012 2 Kommentare

Neulich fuhren Sohn und ich mal wieder mit dem Fahrrad zur Kita.
Sohn hatte zum 5.Geburtstag ein neues Rad bekommen und trug, wie immer, seinen Helm:

In der Kita angekommen, fragte beim Ausziehen ein Mädchen: “ Warum hat I… einen Mädchenhelm auf?“
Ich antwortete: „Wer sagt denn, dass das ein Mädchenhelm ist?“
Das Mädchen: „ähhh… meine Mama … ähhh… Rosa und Braun sind Mädchenfarben!“
Sohn: „Stimmt ja gar nicht! Mädchen tragen ja auch Blau! Dann können Jungs auch Rosa tragen! Mädchen- und Jungenfarben gibt es gar nicht!“
Ich: 🙂

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Nulli und Priesemut – Konversation mit dem Verlag

März 31, 2012 4 Kommentare

Vor ein paar Tagen schrieb ich über eine rassistische Illustration in einem Kinderbuch und wandte mich an den Verlag und den Autor. Daraus ergab sich folgende Konversation:

>>> Wenn Ihr meine Sichtweise teilt, schreibt bitte an Frau Breckoff (ihre mail findet Ihr unten), damit eine weitere Auflage des Buches gestoppt oder wenigstens geändert wird. <<<

Meine erste mail:

Gesendet: Mittwoch, 21. März 2012 12:56
An: sodtke@nulli-priesemut.de; info@lappan.de
Betreff:Alle Frösche fliegen hoch

Sehr geehrter Herr Sodtke, sehr geehrte Verlagsredaktion des Lappan-Verlages,

die Geschichten um den Hasen Nulli und den Frosch Priesemut waren bisher bei uns sehr beliebt. Mit der Lektüre des 4. Bandes der “Kleinen Reihe” mit dem Titel “Alle Frösche fliegen hoch” änderte sich das.
Grund dafür ist die folgende Illustration:

siehe vorheriger Artikel

Ich finde es unerträglich, dass in aktuellen Kinderbüchern eine solch rassistische Darstellung erscheinen darf. Sie basiert mit den wulstigen Lippen und dem Knochen im Haar auf den kolonialistisch rassistischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und entspricht einer Rassenideologie, die von alten und neuen Rechten vertreten wird.
Es macht mich wütend, dass ein Kinderbuchautor, der unter anderem für die TAZ gezeichnet hat, rassistische Stereotype verbreitet und Kindern Angst vor den/m Fremden macht. Eine reflektierte und reflektierende Herangehensweise an das Thema wäre angebracht.
Aus der Verantwortung für meine und andere Kinder heraus fordere ich Sie auf, den entsprechenden Band aus Ihrem Angebot zu entfernen bzw. die die entsprechenden Seiten zu redigieren.

Mit freundlichen Grüßen

Die Antwort:

Sehr geehrte…,

besten Dank für Ihre Nachricht, es freut uns, dass Ihnen die Geschichten von Nulli und Priesemut gefallen.

Die Anmerkung zu diesem Band hat uns zugegebenermaßen erstaunt. Mittlerweile gibt es in dieser Reihe ja 17 Bände – das von Ihnen erwähnte Buch gibt es mittlerweile seit 1996 im Handel, es wurde rund 30.000 Mal verkauft – und Sie sind tatsächlich der Erste, dem das in diesem Bild negativ aufgefallen ist.

Gerade in diesem Bild wird Afrika ja als „Paradies für Frösche“ dargestellt, daher haben wir es auch bei Lesungen nie erlebt, dass Kinder Angst davor hatten. Wenn Szenen aus anderen Ländern dazu anregen, sich mit dem Land weiter auseinanderzusetzen, damit gerade das Fremde dann nicht mehr fremd ist, dann wäre das natürlich schön – im Optimalfall setzen sich dann die Eltern mit den Kindern zusammen und erklären ihnen Geographie, Traditionen usw. dieses wunderbaren Kontinents. So sind auch die Rückmeldungen in zahlreichen Leserbriefen und bei Lesungen und Signierstunden von Matthias Sodtke.

In diesem Buch sind ja die Störche die eigentlichen „Übeltäter“ – und nicht einmal ihnen kann man es übel nehmen, weil Matthias Sodtke es versteht, den Kindern nahe zu bringen, dass Störche eben von Fröschen leben und dass das der Lauf der Natur ist. Und zugleich vermittelt er, dass man dem besten Freund mehr vertrauen sollte, als jemandem, den man nicht kennt (eben den Störchen), dieses Thema ist für Eltern ja sehr wichtig. Und genau darin liegt ja die Kunst des Autors, und das macht die Beliebtheit dieser Bände aus, und gerade weil in diesen Büchern auch schwierige Themen auf lustige Weise angesprochen werden, sind sie auch in pädagogischen Einrichtungen wie Kindergärten sehr beliebt. Dass man weder die Frösche noch die Hasen noch die anderen Tiere als realistisch ansehen sollte und eins zu eins auf Menschen projizieren sollte, ist selbstverständlich – sonst hätte man ja auch Kinder nehmen können.

Wir werden Ihre Anmerkung aber auf jeden Fall aufnehmen und noch einmal herumfragen, ob Ihre Sichtweise auch auf andere so wirkt – und da wir die Bände sehr häufig nachdrucken, wäre es auch kein Problem, diese Seite zu überarbeiten. Auch Matthias Sodtke ist ja daran gelegen, dass es bei seinem Büchern nicht zu Missverständnissen kommt.

Insofern danken wir Ihnen für den Hinweis!

Mit freundlichen Grüßen

Constanze Breckoff

__________________

Lektorat / Editor

Lappan Verlag GmbH

Würzburger Straße 14

26121 Oldenburg

Telefon 0441-98066-26

Telefax 0441-9806634

eMail: c.breckoff@lappan.de

www.lappan.de

Geschäftsführer: Klaus Kämpfe-Burkhardt und Dieter Schwalm

HR B 1612

Handelsregister Oldenburg

Meine Antwort:

Sehr geehrte Frau Breckoff,

vielen Dank für Ihre Antwort, es freut mich, dass Sie sich dem Thema Rassismus in Kinderbüchern zuwenden.

Leider erstaunen mich Ihre Ausführungen nicht. Dass die genannte Illustration nach 16 Jahren und 30000 verkauften Exemplaren des entsprechenden Buches zum ersten Mal von mir moniert wird, zeigt mir, in welch rassistischem Normalzustand sich unsere Gesellschaft immer noch befindet. Es erschreckt mich, dass das Buch 1996, knapp 5 Jahre nach den Pogromen von Hoyerswerda, Mölln, Rostock usw. mit dem angesprochenen Bild erschienen ist.

Ihre Anmerkung, Afrika würde in dem Buch als „Paradies für Frösche“ dargestellt,  entspricht dem kolonialistischen Blick auf diesen Kontinent. Interessanterweise gibt es in diesem „Paradies“ hauptsächlich grüne (weiße) Frösche. Lediglich eine  Minderheit von schwarzen Fröschen ist existent. Natürlich erzeugen solche Bilder keine Angst beim hauptsächlich weißen Kinderpublikum, aber sie stellen falsch dar und zeichnen eine Realität, die es nicht gibt. Es bleibt zu hoffen, dass Eltern diese Realitätsverschiebungen frühzeitig korrigieren.

Die Darstellung des Frosches mit dem Knochen im Haar löst keine Missverständnisse aus, sondern zeigt ein dem rassistischen Normalkonsens unserer Gesellschaft entsprechendes Bild eines Schwarzen in Afrika (in welchem Land auch immer).

Abschliessend möchte ich bemerken, dass ich Ihre Aussage „Dass man weder die Frösche noch die Hasen noch die anderen Tiere als realistisch ansehen sollte und eins zu eins auf Menschen projizieren sollte, ist selbstverständlich – sonst hätte man ja auch Kinder nehmen können.“ aus pädagogischer Sicht als absurd empfinde. Kinder identifizieren sich mit den Figuren in ihren Geschichten und diese werden real – egal ob es sich dabei um Hasen, Frösche oder irgendwelchen Fantasiegeschöpfe handelt. Das ist der Sinn und Zweck von Geschichten oder Märchen. Gesellschaftlich vereinbarte Verhaltenscodices werden Kindern durch Geschichten vermittelt. Hier tragen wir eine hohe Verantwortung für die Zukunft unseres Zusammenlebens.

Ich werde Ihre mail in meinem Bekanntenkreis veröffentlichen und die Menschen auffordern, Ihnen zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

 

Nulli und Priesemut – Rassismus im Kinderzimmer

März 21, 2012 3 Kommentare

Die Geschichten um den Hasen Nulli und den Frosch Priesemut von Matthias Sodtke greifen Alltagsprobleme auf und verarbeiten diese auf kindgerechte Weise. Bisher waren sie bei uns sehr beliebt.  Mit der Lektüre des 4. Bandes der „Kleinen Reihe“ änderte sich das.
Unter dem Titel „Alle Frösche fliegen hoooch!?“ sollen Kinder laut Klappentext lernen, „dass man dem besten Freund mehr vertrauen sollte als einem Fremden“.
Alles fängt ganz harmlos an. Nulli und Priesemut liegen an einem schönen Sommertag auf einer grünen Wiese und träumen vor sich hin. Plötzlich entdecken sie zwei „komische Vögel“. Wo die wohl hin wollen? Schnell wird beiden klar, dass die Fremden auf dem Weg zu ihrem Zuhause sind. Dort angekommen stellen der Hase und der Frosch schnell fest, dass die Störche, um die es sich bei den Fremden handelt, es sich schon auf dem Dach ihres Hauses bequem gemacht haben. Noch während sich die Störche als Herr und Frau Dr. Wenzel vorstellen, nisten sie sich auch schon mit einem aufblasbaren Nest so richtig ein. Als Gegenleistung wollen sie dem Frosch Priesemut das Fliegen beibringen, denn sie sind Doktoren der Flugologie.
Wurden die Fremden bisher „nur“ als sehr aufdringlich und besitzergreifend dargestellt, steigert sich die Bildergeschichte in ihrer fremdenfeindlichen und rassistischen Konnotation als die Aussage der Störche „In Afrika können alle Frösche fliegen!“ mit folgendender Illustration ergänzt wird:

(Quelle: Alle Frösche fliegen hoooch!? von M.Sodtke)

Abgesehen vom Fortlauf der Geschichte, in dem entlarvt wird, dass die Störche den Frosch eigentlich nur fressen wollten und die Fremden gewaltsam vertrieben werden müssen, ist es unerträglich, dass in aktuellen Kinderbüchern eine solch rassistische Darstellung erscheinen darf. Sie basiert mit den wulstigen Lippen und dem Knochen im Haar auf den kolonialistisch rassistischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und entspricht einer Rassenideologie, die von alten und neuen Rechten vertreten wird. Was denken sich Herr Sodtke und der Lappan-Verlag eigentlich?
Es macht mich wütend, dass ein Kinderbuchautor, der unter anderem für die TAZ gezeichnet hat, rassistische Stereotype verbreitet und Kindern Angst vor den/m Fremden macht. Eine reflektierte und reflektierende Herangehensweise an das Thema wäre angebracht.
Nulli und Priesemut kommen uns jedenfalls nicht mehr ins Kinderzimmer!

Euren Unmut und die Aufforderung, den oben genannten Titel aus dem Programm zu nehmen könnt ihr hier:  sodtke@nulli-priesemut.de (mail des Autors) und hier:  info@lappan.de (mail des Lappan-Verlages) loswerden.

Jako-o oh oh oh

März 20, 2011 8 Kommentare

Neulich las ich bei dieStandard.at über die Beeinflussung von Eltern auf das stereotype Verhalten ihrer Kinder. Die Erkenntnisse aus den Studien von Christiane Spiel geben mir als Elternteil zu denken und Anregung zur Selbstreflexion. In dem Artikel werden allerdings mit keinem Wort die medialen Einflüsse  erwähnt, denen – auch gerade in Bezug auf Geschlechtsstereotype – Kinder (und Eltern) ausgesetzt sind. Sich mit diesen auseinandersetzen zu müssen und Kindern abseits des Gender-Mainstreams Identifikationsmöglichkeiten zu bieten, ist nicht immer leicht und manchmal aussichtslos, wie folgende (ganz unwissenschaftliche) Analyse eines Kataloges für Spielzeug und Kinderkleidung verdeutlicht.

Gleich auf den ersten Seiten wird klar, wer später pflegerische Aufgaben übernehmen und sich mit dem Nachwuchs beschäftigen wird. Die Bilder zum „Pflegeset Krümel“ zeigen es uns:

Wer ist wohl dafür zuständig, wenn „Krümel“ grösser wird?

Natürlich darf „Krümel“ das Haus auch mal verlassen:

oh… da darf dann auch mal der Puppenvati ran:

Aber bitte nur in Begleitung der Puppenmutti, falls mal was schief läuft (rechts oben im Bild)


Auf allen Puppenseiten des Kataloges ist tatsächlich nur dieser eine Junge zu sehen!

Hmmm… schauen wir mal, was uns auf den Seiten erwartet, die sich um Spielzeug drehen, das weitestgehend mit Haushaltsführung zu tun hat:

Und auch hier wieder das positive Beispiel des Quotenjungen:

Was soll eigentlich diese gelbe Schnecke bedeuten? Immer schön langsam mit neuen Geschlechterbildern? Oder:  Jungs/Männer sind einfach langsamer in der Hausarbeit, weil sie genetisch nicht dafür veranlagt sind?


Kommen wir zum Themenabschnitt „Abenteuer Wildnis“. Der bietet Platz, um Kinder zu zeigen, die die Natur erforschen und Abenteuer erleben. Und welches Kind will das nicht?

Mädchen anscheinend nicht … oh … doch …

… aber bitte erst, wenn der Junge das Werkzeug aus der Hand gibt:

 

Die Sportseiten sind ähnlich gestrickt. Auch hier finden wir nur ein Mädchen. Das darf aber wenigstens mal so richtig zuschlagen…

 

 

 

Last but not least beschäftigen wir uns mit den Seiten des Kataloges, die sich mit Technischem und Bauarbeiten befassen. Hier werden die vor_herr_schenden Geschlechterbilder am deutlichsten klar.

 

Auf diesen Seiten findet sich keine einzige Abbildung mit einem Mädchen!

Diese 21 Bilder zeigen uns ganz klar, wo sich Mädchen und Jungen in unserem (?) Rollenverständnis zu verorten haben. Eine Analyse der Modeseiten erspare ich Euch und mir an dieser Stelle. Auch der Hinweis auf die gegenderte Textsprache erübrigt sich.

 

Alle Bilder sind dem aktuellen Jako-o-Katalog entnommen.

 

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Wer lebt mit wem, warum und wie?

Vom 25.7. – 1.8. 2010 findet auf der Burg Lutter ein Sommercamp statt.

Herrschaftskritisches Sommercamp zum Thema Solidarität und Verantwortung – Familie und (Anti)Kapitalismus – Elternschaft und Szene – Dekonstruktion der bürgerlichen heteronormativen Kleinfamilie – Aufstand – Abschaffung von Erziehung – sozialrevolutionäre/anarchistische Umwälzung

Uns ist es wichtig, die Themen „Kind“, Zusammenleben und persönliche Verantwortlichkeiten explizit aus dem privaten Raum zu holen und aus einer herrschaftskritischen Perspektive zu betrachten. Auch wenn wir beeinflusst und bestimmt sind von den Zuständen, können wir dazu beitragen sie zu ändern. Mit dem Thema „Kind“ werden oft Begriffe wie „Kleinfamilie“, „privates Glück“, „Abkapselung“ und konservative Werte verbunden. Durch gesellschaftliche Normen wird in engen Schubladen darüber gedacht, wie „Kind“, „Vater“, „Mutter“… sind und zu funktionieren haben.

Denn wirklich wird sich nur was ändern, wenn sich alles ändert…

Welche strukturellen Zwänge ergeben sich aus Patriarchat, Kapitalismus und ihren staatlichen Institutionen und wie können wir diese überwinden? Wo sehen wir Wege aus dem Desaster der Zwangsgesellschaft samt Knästen und dem Prinzip Strafe? Die Wut auf die bestehenden Verhältnisse braucht ihren Ausdruck. Rebellion, Revolten und Aufstände, verbunden mit der Chance auf gesamtgesellschaftliche Veränderungen, haben soziale Gründe. Diese wollen wir verstehen, wir sind Teil davon, (auch) in unserem Alltag. In der Szene sind wir auch nicht frei von Diskriminierungsmechanismen. Unser Ziel ist eine politische Bewegung, die grundsätzlich offen ist für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Bildung, „Behinderungen“, usw. Wie können wir uns im Alltag organisieren, z.B. in WG’s, auf Plena, bei Aktionen usw., damit junge Menschen und ihre Bezugspersonen selbstverständlicher teilhaben können?

Das Private ist politisch, der Aufstand (auch) alltäglich!

Wie kann das ganz konkret aussehen? Wie können wir aus einem solidarischen Grundverständnis heraus gemeinsam Verantwortung füreinander übernehmen? Was ist ein geeigneter Rahmen, um Alternativen zur herrschenden Ordnung zu schaffen und wie können wir den (täglichen) Aufstand organisieren?

Wir wollen die Umstände angreifen und gleichzeitig Räume schaffen, wo ein bewusster und sensibler Umgang mit Privilegien stattfindet. Nur so können wir Rassismen und andere Formen von Diskriminierung erkennen und an ihrer Abschaffung arbeiten. Es ist uns wichtig Geschlechterrollen aufzulösen, indem wir Wege abseits von Heteronormativität und Paarbeziehung gehen und einen gendersensiblen Umgang finden. Auch die Auseinandersetzung mit den Machtstrukturen der „Erwachsenen“ gegenüber den „Kindern“ ist notwendig, um sich auf gleicher Augenhöhe begegnen zu können. Aufgrund dieser Zwänge wollen wir die Diskussion um Antipädagogik und freier Bildung aufgreifen.

Los gehts!

Wir wünschen uns spannende Diskussionen, Theorie und Praxis, eine Menge Kontakte und neue Netzwerke. Einige Themen sind schon in Vorbereitung, aber das Camp lebt durch euch und eure Ideen, die ihr einbringt, vorher und während des Camps: anhand von Workshops, Diskussionsvorschlägen oder der täglichen Camporganisation. Wir sind gespannt auf euren Input und freuen uns auf euch.

Alles weitere könnt Ihr hier erfahren.

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Videogame Violence History

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Petition der Hebammen

April 27, 2010 2 Kommentare

Wie schon Genderblog und Mädchenmannschaft berichteten, soll sich ab dem 1.7. 2010 die Berufhaftpflicht für Hebammen fast verdoppeln. Dies würde faktisch zur Abschaffung der Geburtshilfe durch freiberufliche Hebammen führen und etliche Geburtshäuser stünden vor dem Aus.

Dagegen ruft der Deutsche Hebammenverband zum Protest und zur Unterzeichnung einer E-Petition an den Deutschen Bundestag auf.

Die Petion wird am 5. Mai, dem Internationalen Hebammentag, durch diverse Kungebungen in verschiedenen Städten begleitet starten. Wie Ihr Euch an der Petition beteiligen könnt, erfahrt Ihr hier.

Hier der Text der Petition:

Der Bundestag möge Sofortmaßnahmen beschließen, um eine wohnortnahe Versorgung von Frauen mit Hebammenhilfe und die freie Wahl des Geburtsortes auch nach dem 1. 7. 2010 sicher zu stellen. Gefordert wird auch die Aufnahme eines Sicherstellungsauftrages für Hebammenhilfe analog § 72 SGB V. Des Weiteren möge der Bundestag eine Datenerhebung zum Bedarf an Hebammenhilfe und deren Deckung beschließen.

Begründung:

Steigende Haftpflichtprämien u. unzureichende Vergütung zwingen Hebammen zum Aufgeben der Geburtshilfe. Dadurch kann die flächendeckende Versorgung nicht mehr sichergestellt werden.

Nach der Einführung u.a. des § 116 SGB X sind die Krankenkassen dazu übergegangen Regressabtei-lungen zu beschäftigen. Sie sollen bei teuren Behandlungsfällen gezielt dafür sorgen, die zu erwar-tenden Kosten der Sozialversicherungsträger gegen zu finanzieren.

1992 waren freiberufliche Hebammen zu einer Jahresprämie von umgerechnet 179 €, incl. Geburtshilfe, versichert. Durch Verzehnfachung der Prämie (2370 €) bis 2009 sank der Anteil der Hebammen, die neben Schwangerenvorsorge u. der Betreuung im Wochenbett auch Geburtshilfe anbieten, auf 23%. Mit der Steigerung der Haftpflichtprämie für das Berufsrisiko Geburtshilfe auf 3689 € ab 1.7.2010 ist absehbar, dass sich die verbleibenden Hebammen aus dem Kernbereich ihres Berufes zurückziehen.

Das Problem betrifft freiberufliche u. angestellte Hebammen. Auch Angestellte müssen aus ihrem Gehalt eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen, weil Klinikträger zu niedrige Deckungssummen versichern. Durch Personalabbau steigt das Haftungsrisiko, weil Hebammen mehrere Geburten gleichzeitig betreuen müssen.

Die Entlassung der Hebammen in die eigenverantwortliche Vergütungsverhandlung mit den Kranken-kassen in 2006 erfolgte mit einem Rückstand in der Anpassung der Honorare. Die gleichzeitige Vorgabe aus § 71 SGB V (Beitragsstabilitätsgesetz), vergrößert diesen Rückstand.
Die Ausnahmeregelungen nach § 71 SGB V (Abs. 1-2) greifen nicht, da keine Daten vorliegen u. kein Sicherstellungsauftrag zur Durchsetzung des Rechtes auf Hebammenhilfe nach § 196 RVO besteht. Durchschnittlich erzielt eine freiberufliche Hebamme 23.300 € Umsatz im Jahr. Das real zu versteuernde Einkommen liegt im Schnitt bei 14.150 € im Jahr, bzw. 7,50 € Netto pro Stunde. Für die Durchführung einer Geburt erhält die Hebamme ein Bruttohonorar von:

  • 224,40 € für die Beleggeburt
  • 367,20 € für die Geburt im Geburtshaus
  • 448,80 € für die Hausgeburt

Als Ausgleich für gestiegene Haftpflichtprämien wurden von den Kassen 4,39 € für Beleggeburten u. 14,19 € für außerklinische Geburten geboten. Die Gesamtsumme der Gebühren für Geburtshilfe wird ab dem 1.7.2010 ausschließlich die Haftpflichtprämien decken – ohne dass ein Verdienst für die Hebamme übrig bleibt!

Die Zentralisierung der Geburtshilfe in perinatologischen Zentren benötigt ein Gegengewicht von wohnortnaher Versorgung für gesunde Schwangere u. eine intensive Weiterbetreuung nach der heute üblichen Frühentlassung. Doch immer mehr kleinere Krankenhäuser sind gezwungen ihre ge-burtshilflichen Abteilungen zu schließen, weil weder Beleghebammen noch – Ärzte ihre Prämien zahlen können.

Die Politik wird deshalb aufgefordert Abhilfe zu schaffen. Wenn die Bundesregierung ihrer Verpflichtung nachkommen will eine flächendeckende Versorgung zu garantieren, sind Sofortmaßnahmen zu er-greifen.

Eine (unvollständige) Liste der Kungebungen:

Berlin 15.30 Uhr Augustenburger Platz/ Charité

Hamburg 14-17 Uhr Bahnhof Altona, Ottenser Hauptstr. 1

Köln 11-13 Uhr Roncalliplatz (Domplatte, neben HBF)

Merseburg http://www.hebammen-sachsen-anhalt.com

München 11:30-13 Uhr Odeonsplatz

Stuttgart 10:30-12:30 Uhr Marktplatz

Auch auf Facebook hat sich eine Unterstützer_innen-Gruppe gebildet und auf der Seite sind auch weitere Informationen zu finden.

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