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Nulli und Priesemut – Konversation mit dem Verlag

Vor ein paar Tagen schrieb ich über eine rassistische Illustration in einem Kinderbuch und wandte mich an den Verlag und den Autor. Daraus ergab sich folgende Konversation:

>>> Wenn Ihr meine Sichtweise teilt, schreibt bitte an Frau Breckoff (ihre mail findet Ihr unten), damit eine weitere Auflage des Buches gestoppt oder wenigstens geändert wird. <<<

Meine erste mail:

Gesendet: Mittwoch, 21. März 2012 12:56
An: sodtke@nulli-priesemut.de; info@lappan.de
Betreff:Alle Frösche fliegen hoch

Sehr geehrter Herr Sodtke, sehr geehrte Verlagsredaktion des Lappan-Verlages,

die Geschichten um den Hasen Nulli und den Frosch Priesemut waren bisher bei uns sehr beliebt. Mit der Lektüre des 4. Bandes der “Kleinen Reihe” mit dem Titel “Alle Frösche fliegen hoch” änderte sich das.
Grund dafür ist die folgende Illustration:

siehe vorheriger Artikel

Ich finde es unerträglich, dass in aktuellen Kinderbüchern eine solch rassistische Darstellung erscheinen darf. Sie basiert mit den wulstigen Lippen und dem Knochen im Haar auf den kolonialistisch rassistischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und entspricht einer Rassenideologie, die von alten und neuen Rechten vertreten wird.
Es macht mich wütend, dass ein Kinderbuchautor, der unter anderem für die TAZ gezeichnet hat, rassistische Stereotype verbreitet und Kindern Angst vor den/m Fremden macht. Eine reflektierte und reflektierende Herangehensweise an das Thema wäre angebracht.
Aus der Verantwortung für meine und andere Kinder heraus fordere ich Sie auf, den entsprechenden Band aus Ihrem Angebot zu entfernen bzw. die die entsprechenden Seiten zu redigieren.

Mit freundlichen Grüßen

Die Antwort:

Sehr geehrte…,

besten Dank für Ihre Nachricht, es freut uns, dass Ihnen die Geschichten von Nulli und Priesemut gefallen.

Die Anmerkung zu diesem Band hat uns zugegebenermaßen erstaunt. Mittlerweile gibt es in dieser Reihe ja 17 Bände – das von Ihnen erwähnte Buch gibt es mittlerweile seit 1996 im Handel, es wurde rund 30.000 Mal verkauft – und Sie sind tatsächlich der Erste, dem das in diesem Bild negativ aufgefallen ist.

Gerade in diesem Bild wird Afrika ja als „Paradies für Frösche“ dargestellt, daher haben wir es auch bei Lesungen nie erlebt, dass Kinder Angst davor hatten. Wenn Szenen aus anderen Ländern dazu anregen, sich mit dem Land weiter auseinanderzusetzen, damit gerade das Fremde dann nicht mehr fremd ist, dann wäre das natürlich schön – im Optimalfall setzen sich dann die Eltern mit den Kindern zusammen und erklären ihnen Geographie, Traditionen usw. dieses wunderbaren Kontinents. So sind auch die Rückmeldungen in zahlreichen Leserbriefen und bei Lesungen und Signierstunden von Matthias Sodtke.

In diesem Buch sind ja die Störche die eigentlichen „Übeltäter“ – und nicht einmal ihnen kann man es übel nehmen, weil Matthias Sodtke es versteht, den Kindern nahe zu bringen, dass Störche eben von Fröschen leben und dass das der Lauf der Natur ist. Und zugleich vermittelt er, dass man dem besten Freund mehr vertrauen sollte, als jemandem, den man nicht kennt (eben den Störchen), dieses Thema ist für Eltern ja sehr wichtig. Und genau darin liegt ja die Kunst des Autors, und das macht die Beliebtheit dieser Bände aus, und gerade weil in diesen Büchern auch schwierige Themen auf lustige Weise angesprochen werden, sind sie auch in pädagogischen Einrichtungen wie Kindergärten sehr beliebt. Dass man weder die Frösche noch die Hasen noch die anderen Tiere als realistisch ansehen sollte und eins zu eins auf Menschen projizieren sollte, ist selbstverständlich – sonst hätte man ja auch Kinder nehmen können.

Wir werden Ihre Anmerkung aber auf jeden Fall aufnehmen und noch einmal herumfragen, ob Ihre Sichtweise auch auf andere so wirkt – und da wir die Bände sehr häufig nachdrucken, wäre es auch kein Problem, diese Seite zu überarbeiten. Auch Matthias Sodtke ist ja daran gelegen, dass es bei seinem Büchern nicht zu Missverständnissen kommt.

Insofern danken wir Ihnen für den Hinweis!

Mit freundlichen Grüßen

Constanze Breckoff

__________________

Lektorat / Editor

Lappan Verlag GmbH

Würzburger Straße 14

26121 Oldenburg

Telefon 0441-98066-26

Telefax 0441-9806634

eMail: c.breckoff@lappan.de

www.lappan.de

Geschäftsführer: Klaus Kämpfe-Burkhardt und Dieter Schwalm

HR B 1612

Handelsregister Oldenburg

Meine Antwort:

Sehr geehrte Frau Breckoff,

vielen Dank für Ihre Antwort, es freut mich, dass Sie sich dem Thema Rassismus in Kinderbüchern zuwenden.

Leider erstaunen mich Ihre Ausführungen nicht. Dass die genannte Illustration nach 16 Jahren und 30000 verkauften Exemplaren des entsprechenden Buches zum ersten Mal von mir moniert wird, zeigt mir, in welch rassistischem Normalzustand sich unsere Gesellschaft immer noch befindet. Es erschreckt mich, dass das Buch 1996, knapp 5 Jahre nach den Pogromen von Hoyerswerda, Mölln, Rostock usw. mit dem angesprochenen Bild erschienen ist.

Ihre Anmerkung, Afrika würde in dem Buch als „Paradies für Frösche“ dargestellt,  entspricht dem kolonialistischen Blick auf diesen Kontinent. Interessanterweise gibt es in diesem „Paradies“ hauptsächlich grüne (weiße) Frösche. Lediglich eine  Minderheit von schwarzen Fröschen ist existent. Natürlich erzeugen solche Bilder keine Angst beim hauptsächlich weißen Kinderpublikum, aber sie stellen falsch dar und zeichnen eine Realität, die es nicht gibt. Es bleibt zu hoffen, dass Eltern diese Realitätsverschiebungen frühzeitig korrigieren.

Die Darstellung des Frosches mit dem Knochen im Haar löst keine Missverständnisse aus, sondern zeigt ein dem rassistischen Normalkonsens unserer Gesellschaft entsprechendes Bild eines Schwarzen in Afrika (in welchem Land auch immer).

Abschliessend möchte ich bemerken, dass ich Ihre Aussage „Dass man weder die Frösche noch die Hasen noch die anderen Tiere als realistisch ansehen sollte und eins zu eins auf Menschen projizieren sollte, ist selbstverständlich – sonst hätte man ja auch Kinder nehmen können.“ aus pädagogischer Sicht als absurd empfinde. Kinder identifizieren sich mit den Figuren in ihren Geschichten und diese werden real – egal ob es sich dabei um Hasen, Frösche oder irgendwelchen Fantasiegeschöpfe handelt. Das ist der Sinn und Zweck von Geschichten oder Märchen. Gesellschaftlich vereinbarte Verhaltenscodices werden Kindern durch Geschichten vermittelt. Hier tragen wir eine hohe Verantwortung für die Zukunft unseres Zusammenlebens.

Ich werde Ihre mail in meinem Bekanntenkreis veröffentlichen und die Menschen auffordern, Ihnen zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

 

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