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Nulli und Priesemut – Rassismus im Kinderzimmer

Die Geschichten um den Hasen Nulli und den Frosch Priesemut von Matthias Sodtke greifen Alltagsprobleme auf und verarbeiten diese auf kindgerechte Weise. Bisher waren sie bei uns sehr beliebt.  Mit der Lektüre des 4. Bandes der „Kleinen Reihe“ änderte sich das.
Unter dem Titel „Alle Frösche fliegen hoooch!?“ sollen Kinder laut Klappentext lernen, „dass man dem besten Freund mehr vertrauen sollte als einem Fremden“.
Alles fängt ganz harmlos an. Nulli und Priesemut liegen an einem schönen Sommertag auf einer grünen Wiese und träumen vor sich hin. Plötzlich entdecken sie zwei „komische Vögel“. Wo die wohl hin wollen? Schnell wird beiden klar, dass die Fremden auf dem Weg zu ihrem Zuhause sind. Dort angekommen stellen der Hase und der Frosch schnell fest, dass die Störche, um die es sich bei den Fremden handelt, es sich schon auf dem Dach ihres Hauses bequem gemacht haben. Noch während sich die Störche als Herr und Frau Dr. Wenzel vorstellen, nisten sie sich auch schon mit einem aufblasbaren Nest so richtig ein. Als Gegenleistung wollen sie dem Frosch Priesemut das Fliegen beibringen, denn sie sind Doktoren der Flugologie.
Wurden die Fremden bisher „nur“ als sehr aufdringlich und besitzergreifend dargestellt, steigert sich die Bildergeschichte in ihrer fremdenfeindlichen und rassistischen Konnotation als die Aussage der Störche „In Afrika können alle Frösche fliegen!“ mit folgendender Illustration ergänzt wird:

(Quelle: Alle Frösche fliegen hoooch!? von M.Sodtke)

Abgesehen vom Fortlauf der Geschichte, in dem entlarvt wird, dass die Störche den Frosch eigentlich nur fressen wollten und die Fremden gewaltsam vertrieben werden müssen, ist es unerträglich, dass in aktuellen Kinderbüchern eine solch rassistische Darstellung erscheinen darf. Sie basiert mit den wulstigen Lippen und dem Knochen im Haar auf den kolonialistisch rassistischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und entspricht einer Rassenideologie, die von alten und neuen Rechten vertreten wird. Was denken sich Herr Sodtke und der Lappan-Verlag eigentlich?
Es macht mich wütend, dass ein Kinderbuchautor, der unter anderem für die TAZ gezeichnet hat, rassistische Stereotype verbreitet und Kindern Angst vor den/m Fremden macht. Eine reflektierte und reflektierende Herangehensweise an das Thema wäre angebracht.
Nulli und Priesemut kommen uns jedenfalls nicht mehr ins Kinderzimmer!

Euren Unmut und die Aufforderung, den oben genannten Titel aus dem Programm zu nehmen könnt ihr hier:  sodtke@nulli-priesemut.de (mail des Autors) und hier:  info@lappan.de (mail des Lappan-Verlages) loswerden.

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  1. März 22, 2012 um 7:15 am

    Wie geschmacklos! Unsäglich! Und ich will garnicht wissen, wieviele Eltern das ihren Kindern völlig unkritisch vorlesen. Furchtbar!

  1. März 31, 2012 um 11:13 pm
  2. April 5, 2012 um 4:44 pm

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