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Jako-o oh oh oh

Neulich las ich bei dieStandard.at über die Beeinflussung von Eltern auf das stereotype Verhalten ihrer Kinder. Die Erkenntnisse aus den Studien von Christiane Spiel geben mir als Elternteil zu denken und Anregung zur Selbstreflexion. In dem Artikel werden allerdings mit keinem Wort die medialen Einflüsse  erwähnt, denen – auch gerade in Bezug auf Geschlechtsstereotype – Kinder (und Eltern) ausgesetzt sind. Sich mit diesen auseinandersetzen zu müssen und Kindern abseits des Gender-Mainstreams Identifikationsmöglichkeiten zu bieten, ist nicht immer leicht und manchmal aussichtslos, wie folgende (ganz unwissenschaftliche) Analyse eines Kataloges für Spielzeug und Kinderkleidung verdeutlicht.

Gleich auf den ersten Seiten wird klar, wer später pflegerische Aufgaben übernehmen und sich mit dem Nachwuchs beschäftigen wird. Die Bilder zum „Pflegeset Krümel“ zeigen es uns:

Wer ist wohl dafür zuständig, wenn „Krümel“ grösser wird?

Natürlich darf „Krümel“ das Haus auch mal verlassen:

oh… da darf dann auch mal der Puppenvati ran:

Aber bitte nur in Begleitung der Puppenmutti, falls mal was schief läuft (rechts oben im Bild)


Auf allen Puppenseiten des Kataloges ist tatsächlich nur dieser eine Junge zu sehen!

Hmmm… schauen wir mal, was uns auf den Seiten erwartet, die sich um Spielzeug drehen, das weitestgehend mit Haushaltsführung zu tun hat:

Und auch hier wieder das positive Beispiel des Quotenjungen:

Was soll eigentlich diese gelbe Schnecke bedeuten? Immer schön langsam mit neuen Geschlechterbildern? Oder:  Jungs/Männer sind einfach langsamer in der Hausarbeit, weil sie genetisch nicht dafür veranlagt sind?


Kommen wir zum Themenabschnitt „Abenteuer Wildnis“. Der bietet Platz, um Kinder zu zeigen, die die Natur erforschen und Abenteuer erleben. Und welches Kind will das nicht?

Mädchen anscheinend nicht … oh … doch …

… aber bitte erst, wenn der Junge das Werkzeug aus der Hand gibt:

 

Die Sportseiten sind ähnlich gestrickt. Auch hier finden wir nur ein Mädchen. Das darf aber wenigstens mal so richtig zuschlagen…

 

 

 

Last but not least beschäftigen wir uns mit den Seiten des Kataloges, die sich mit Technischem und Bauarbeiten befassen. Hier werden die vor_herr_schenden Geschlechterbilder am deutlichsten klar.

 

Auf diesen Seiten findet sich keine einzige Abbildung mit einem Mädchen!

Diese 21 Bilder zeigen uns ganz klar, wo sich Mädchen und Jungen in unserem (?) Rollenverständnis zu verorten haben. Eine Analyse der Modeseiten erspare ich Euch und mir an dieser Stelle. Auch der Hinweis auf die gegenderte Textsprache erübrigt sich.

 

Alle Bilder sind dem aktuellen Jako-o-Katalog entnommen.

 

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  1. März 21, 2011 um 10:26 am

    Warum sollen Kataloghersteller auch in der Verantwortung sein, neutrale Kataloge herzustellen? Meist dürften die Klischees ja tatsächlich zutreffen und so verkaufen sie voraussichtlich mehr Spielzeug.

  2. März 21, 2011 um 6:12 pm

    Erwartest du darauf eine Antwort?

  3. März 22, 2011 um 11:13 am

    Erwarten wäre etwas fordernd. Aber ich würde mich über eine freuen. Interessant finde ich auch diesen Zusammenhang zwischen Testosteron und Spielzeugwahl, der eher gegen eine gesellschaftliche Erklärung spricht.

  4. März 22, 2011 um 9:21 pm

    Nach einem Blick auf dein Blog erspare ich uns beiden eine für beide Seiten langweilige Diskussion.

  5. Mai 18, 2011 um 9:03 am

    … auch wenn eine Antwort auf C. müßig ist: Ich kann mir kaum vorstellen, dass selbst geschlechtsrollentradierteste Eltern nur deshalb aufhören ihrem Sohn einen Spielzeughammer zu kaufen, weil auf dem Katalogbild ein Mädchen damit spielt. … Es spricht also auch aus kommerziellen Gründen IMHO nix dagegen. Ich gebe dir recht, Gerda, dass die Ausnahmen sehr alibimäßig rüberkommen. Habe zwar schon noch krassere Spielzeugkataloge gesehen. Aber besser wird’s dadurch nicht.

    • ich bin's
      Juni 18, 2011 um 11:15 am

      Henning :
      […] Ich kann mir kaum vorstellen, dass selbst geschlechtsrollentradierteste Eltern nur deshalb aufhören ihrem Sohn einen Spielzeughammer zu kaufen, weil auf dem Katalogbild ein Mädchen damit spielt. […]

      Hm, doch, schon. Ich habe schon oft im Spielzeugladen erlebt, daß Eltern / Großeltern / Onkels und Tanten sich haben beraten lassen. Und dann kommt unausweichlich, noch oft noch vor dem Alter die Frage: Junge oder Mädchen. Dann kriegen die Leute was in die Hand gedrückt und kaufen das, ohne zu fragen was es denn noch für die Fähigkeiten der Altersgruppe gegeben hätte.
      Will sagen: Wenn es keine Auswahl gibt (ohne daß man sich intensiv dafür auseinandersetzen muß) dann gibts auch keine Auswahl, alles bleibt im vorgegebenen. Wenn es alternative Beispiel gibt, dann kommen die Leute een auch ma auf ne andere Idee und schenken dem Kind nicht das Soielzeug nach Geschlecht, sondern hoffentlich nach Vorliebe. Ok, die ist immer noch schwerst Rollensprzifisch beeinflusst, aber das war ja grad nicht die Frage.
      Guckt Euch auch mal die Playmobil und Lego Kataloge an, sehr spannend. Krasserweise wird Lego immer schlimmer und hat nun ne Rosa Serie. Schlimm.

  6. AnnaBell
    August 30, 2011 um 2:16 pm

    Hi! Diese ganze Diskussion verstehe ich nicht. Mir gefaellt der Jako-o Katalog. Die Bilder sind liebevoll und stecken voller Details und warum sollen Maedchen nicht mit Puppen spielen und Jungs mit Autos? Wollen wir den Jungen nun auch noch das letzte Lieblingsspielzeug wegnehmen und sie zwingen, mit Puppen zu spielen? Ich habe 2 Soehne und die finden Maedchen Spielzeug doof und spielen lieber Ritter, fahren Autos und bauen Lego. Was soll denn daran falsch sein? Die haben noch nie in einen Katalog geschaut!! Vielleicht sollten Jako-o & Co. lieber einen langweiligen Katalog ohne Kinderbilder machen, damit die ewigen Noergler zufrieden sind, die sonst nichts weiter als meckern zu tun haben! So und nun bin ich mal gespannt, wie ernst euch die Diskussion ist und ob ihr das veroeffentlicht…

  7. August 17, 2012 um 1:05 pm

    Warum können die Kinder nicht einfach mit dem spielen was ihnen spaß macht. Du hast so recht Gerda! Der moderne Mann schiebt Kinderwagen und kocht…die moderne Frau kann sehr wohl einen tropfenden Wasserhahn richten. Mein Gott. Diese Einteilungen was für welches Geschlecht geeignet ist. Wird mein 2jähriger jetzt homosexuell oder ein Weichei, weil er gerne mal eine Puppe im wägelchen durch den Garten schiebt? Selbst wenn er’s werden würde, dann nicht deshalb, und es würde mich nicht im geringsten stören wenn er schwul würde. Wir tun unsren Kindern keinen gefallen damit, wenn wir sie nicht das breitere Spektrum an Fähigkeiten erleben und lernen lassen. Ich erinnere an Alleinerziehende väter….die ihre Sache spitze machen….und Frauen, die auch ohne Männer einen Schrank zusammen bauen können ohne sich den Nagel abzubrechen. Meine Kinder dürfen mit allem spielen worauf sie Lust haben. Egal ob ein Mädchen oder ein junge in der Werbung und im Katalog damit spielt und egal ob das Teil grün, blau, oder lila, rosa, rot ist.

    Der Markt spielt mit den Eltern, die nicht denken wollen. Schaut euch mal bitte das sogenannte essen für Kinder an. Bärchenwurst, Fruchtzwerge&Co sag ich da nur! Mit Fett und Zucker vollgepfropft! Hauptsache ein Bär oder ein vermenschlichtes Obst grinst uns dämlich entgegen! Die leben von Eltern die zu faul sind das Essen für ihre Kinder sorgfältig auszuwählen. wo Kinder draufsteht, ist auch essen für Kinder drin – wenns doch so einfach wäre!

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