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Hermaphroditen – Eindeutig Zweideutig

Da diese Meldung auch bei Mädchenmannschaft Thema ist, empfehle ich weiterführend zu der Diskussion die sehr gute Dokumentation von Ilka Franzmann, die ich vor einiger Zeit gesehen habe. Der Ankündigungstext spricht für sich:

Hermaphroditen – Eindeutig Zweideutig
Dokumentation von Ilka Franzmann, Deutschland 2002, Deutsche und französische Erstausstrahlung

Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“ Meistens ist das die erste Frage nach der Geburt. Und niemand erwartet die Antwort: „Das kann man so nicht sagen.“ Tatsächlich kommt auf 2000 Neugeborene ein Kind mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen – ein intersexuelles Kind.
Meist werden direkt nach der Geburt die Genitale mit dem Skalpell optisch korrigiert, der zweigeschlechtlichen Norm angepasst. Die Betroffenen haben also selbst keinen Einfluss in dieser existentiellen Frage, ob sie Junge oder Mädchen werden oder „dazwischen“ leben möchten. Die meisten Hermaphroditen, deren Geschlecht nach der Geburt genormt wurde, kämpfen ein Leben lang damit, sich mit dem einmal zugewiesenen Geschlecht zu identifizieren.

Zum Beispiel Jürgen/Claudia: Bei einer geplanten Kieferoperation im Alter von 19 Jahren stellte sich heraus, dass Jürgen einen weiblichen Gesichtsmittelteil hatte, während sein übriger Schädelbau männlich war. Deshalb wuchs sein Kiefer nicht zusammen.
Erst jetzt klärt man ihn auf: Er ist ein sogenannter echter Hermaphrodit, ein Mensch, der ursprünglich mit den kompletten Anlagen beider Geschlechter zur Welt gekommen ist. Plötzlich macht für ihn alles einen Sinn: die vielen Krankenhausaufenthalte und Operationen in seiner Kindheit, die dauerhaften Unterleibsschmerzen, seine sexuellen Erregungsstörungen im Jugendalter. Jürgens mühsame Nachforschungen ergeben, dass die Ärzte – auf Wunsch der Eltern – sein Geschlecht nach seiner Geburt auf männlich festsetzten und alle weiblichen Anlagen entfernten. Heute, mit 44, lebt Jürgen als Claudia, doch seine Identität hat Jürgen/Claudia auch damit nicht gefunden: „Mein Körper ist mir so fremd wie früher auch. Ich bin ein Hermaphrodit, doch diesen Urzustand kann mir niemand zurückgeben.“

„Lasst uns aufwachsen, wie wir zur Welt kommen“ fordern mit Claudia viele Intersexuelle in Deutschland und anderswo. Ihr Ziel: Keine Genitalkorrekturen an Kindern. Doch der gesellschaftliche Druck ist enorm. Neben den Hermaphroditen Claudia, Anna und Julian sowie Nadine und Roger Klingauf, Eltern eines intersexuellen Kindes, kommen die Endokrinologin Prof. Dr. Annette Grüters zu Wort, die die Methoden erläutert, nach denen Körper männlich oder weiblich normiert werden. Auch die führende französische Chirurgin Prof. Dr. Claire Nihoul Fékété, die Genitalkorrekturen an Kindern befürwortet und vornimmt, erklärt den Grenzgang zwischen den beiden Geschlechtern.

arte

Der Film war Teil eines Themenabends auf arte. Wer ihn in voller Länge sehen möchte, muss sich wohl an den Sender wenden. Ausschnitte gibt es hier.

Bewertung: ***** (absolut sehenswert)

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  1. erasmus
    Februar 2, 2011 um 9:30 am

    Woher nehmen Ärzte oder Eltern sich das Recht heraus,
    einen zweigeschlechtlichen Menschen kurz nach der
    Geburt, irgendeinem Geschlecht ,operativ zuzuordnen ?
    Es werden z. B. weibliche Anlagen entfernt, obwohl
    sich dieser Mensch später im Laufe der Entwicklung als
    Frau fühlt. Hier wäre aus meiner Sicht der Gesetzgeber
    gefordert, der diese Art Normierung untersagt.
    Es sollte dem Betroffenen später selber überlassen
    bleiben, ob er sich operativ einerm seiner Gefühlswelt
    entsprechendem Geschlecht anpassen möchte oder nicht.

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