Entlastung durch eine rein rationale Ausrichtung
Angst kann auch mittels einer rein intellektuellen Betrachtungsweise abgewehrt werden, in der alles belegbar, ableitbar und durch Definitionen geregelt ist. Auf diesem Wege wird eine relative Sicherheit erworben. Intellektuell kann eine solche Spezialisierung erzielt werden, dass einem auf diesem Gebiet so schnell keiner das Wasser reichen kann. Allerdings beschneidet dies den Gefühlsreichtum und damit die überraschenden und schönen Seiten des Lebens. Absicherung, so dass einem kaum jemand etwas anhaben kann, macht einsam. Unsere westeuropäische und nordamerikanische Zivilisation hat diesem Schutzmuster zu hohem gesellschaftlichen Ansehen verholfen, so dass es nicht immer leicht ist, zwischen wirklichen Verstandesleistungen und einer „Flucht in den Kopf” zu unterscheiden.
Eine derartig übersteigerte intellektuelle Ausrichtung zeigt, dass der eigentliche Boden von Geborgenheit und wirklicher Sicherheit in unserer Lebenswelt zu kurz kommt. Vertrauen in zwischenmenschliche Gemeinschaften und in den Prozess des Lebens, begleitet von „wissenden” Körpersignalen und Gefühlen sind wieder zu entdecken und zu vertiefen.
Diesen Text fand ich bei der Lektüre von “Jugendliche begleiten und beraten” von Inghard und Stefan Langer
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